Einführung

Verhöre, Haft und Tod

Bei seiner Festnahme trägt Georg Elser eine Ansichtskarte des Bürgerbräukellers, ein Abzeichen des Roten Frontkämpferbundes, Aufzeichnungen über Rüstungsproduktionen sowie einige Teile des Zeitzünders bei sich. Als der Anschlag auf Hitler in Konstanz bekannt wird, bringt die Polizei Elser nach München. Dort wird er in der Staatspolizeileitstelle München im Wittelsbacher Palais verhört und gefoltert. In der Nacht vom 13. auf den 14. November 1939 gesteht Elser seine Alleintäterschaft.


    Georg Elser

Die Nationalsozialisten schenken seiner Behauptung, alleine gehandelt zu haben, zunächst keinen Glauben. Hitler selbst vermutet hinter dem Anschlag den britischen Geheimdienst. Diese Deutung stellt die NS-Propaganda in den Mittelpunkt ihrer Berichterstattung. Dabei nutzt sie die Entführung von zwei britischen Geheimagenten im niederländisch-deutschen Grenzort Venlo aus. Dieses Ereignis steht in keinem Zusammenhang mit dem Attentat, sondern ist vom Sicherheitsdienst des Reichsführers SS lange vorbereitet worden. Die NS-Propaganda behauptet, die in eine Falle gelockten Agenten seien die »Hintermänner« des Münchener Anschlags.

Die Vernehmungsbeamten der Kriminalpolizei und der Geheimen Staatspolizei sind hingegen schon nach kurzer Zeit sicher, daß Elser allein gehandelt hat. Fast alle Angehörigen Elsers werden festgenommen, nach Berlin gebracht und dort im Reichssicherheitshauptamt verhört. Einige Wochen später werden sie freigelassen, nachdem sie zum Schweigen verpflichtet worden sind.

Die Gestapo verhört auch in Königsbronn viele Einwohner des Ortes. Der Steinbruchbesitzer, bei dem Elser gearbeitet hat, wird für mehr als ein Jahr in einem Konzentrationslager festgehalten. Die Polizei wirft ihm vor, Elser den Zugang zu den Sprengstoffen im Steinbruch zu leicht gemacht zu haben.

Um weitere Informationen zu erlangen, vernimmt die Geheime Staatspolizei zwischen dem 19. und 23. November 1939 Georg Elser erneut im Berliner Reichssicherheitshauptamt in der Prinz-Albrecht-Straße 8. Immer wieder muß er seine Tat bis ins Detail erläutern und Skizzen anfertigen, mit deren Hilfe er in der Haft auch seinen Sprengkörper rekonstruiert. Das ausführliche Protokoll dieser Vernehmungen gilt bis heute als der wichtigste Zugang zum Denken und Handeln von Georg Elser.

Die nationalsozialistische Führung will erst nach dem erwarteten Sieg vor dem Volksgerichtshof einen Schauprozeß gegen Elser durchführen. Deshalb wird er nach Abschluß der Vernehmungen als »Sonderhäftling« im Zellenbau des KZ Sachsenhausen, später im KZ Dachau gefangengehalten. Am 9. April 1945 wird Georg Elser dort auf Weisung von »höchster Stelle« erschossen. Am selben Tag ermorden die Nationalsozialisten im Konzentrationslager Flossenbürg Dietrich Bonhoeffer gemeinsam mit anderen Widerstandskämpfern.

Georg Elser und das Attentat vom 8. November 1939

Das Attentat vom 8. November 1939


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