Vorwort

Bereits im Herbst 1938 entschließt sich der Schreiner Johann Georg Elser, die nationalsozialistische Führung – Hitler, Göring und Goebbels – zu töten. Er will so den drohenden Krieg verhindern. Elser weiß, dass Hitler regelmäßig am 8. November zum Jahrestag seines Putschversuches von 1923 im Münchener Bürgerbräukeller spricht. Elser verschafft sich Zugang zum Veranstaltungsort und stellt fest, dass der Saal nicht bewacht ist. In wochenlanger Arbeit präpariert er dort ein Jahr später eine tragende Säule des Veranstaltungssaales für die Aufnahme eines Sprengkörpers

Hitler verlässt am 8. November 1939 unerwartet nur wenige Minuten vor der Explosion den Versammlungssaal und entkommt so dem Anschlag.


   Georg Elser mit Freundin

Elser, bis dahin unerkannt geblieben, wird um diese Zeit in Konstanz beim Versuch, in die Schweiz zu entkommen, von Zollbeamten festgenommen und wegen verdächtiger Gegenstände in seinen Taschen der Polizei übergeben. Nach tagelangen Verhören in München gesteht Elser schließlich seine Tat und bekräftigt dabei seine Absicht, durch die Tötung Hitlers den Weg zu einem europäischen Frieden öffnen zu wollen.

Die Nationalsozialisten sehen in Elser zunächst ein Werkzeug des britischen Geheimdienstes. Dies vermuten auch viele Zeitgenossen, bis hinein in die Kreise des bürgerlichen und militärischen Widerstands. Heute kann Elsers Alleintäterschaft nicht mehr angezweifelt werden. Er wird am 9. April 1945, wenige Wochen vor Kriegsende, im Konzentrationslager Dachau ermordet.

Der Widerstand gegen den Nationalsozialismus war nach 1945 heftig umstritten und konnte sich erst in den fünfziger Jahren in seiner Bedeutung für die politische Kultur der Bundesrepublik durchsetzen. Gerade die Tat Elsers gehörte zu den Aspekten des Widerstandes, um die sich noch lange Zeit Gerüchte rankten. Noch lange nach 1945 wurde Elser oftmals diffamiert und sein Handeln verschiedensten Auftraggebern zugeordnet. Heute können seine Alleintäterschaft und seine politisch-moralische Motivation nicht mehr bezweifelt werden.

Erst 1969 veröffentlichte Anton Hoch vom Institut für Zeitgeschichte die Ergebnisse seiner Recherchen und räumte zweifelsfrei die alten Mythen um Elser aus dem Weg. Ein Jahr später veröffentlichte Lothar Gruchmann das Protokoll der Vernehmung Elsers, das er in den Akten des Reichsjustizministeriums im Bundesarchiv gefunden hatte. Dieses eindrucksvolle Dokument ist zwar über weite Strecken in der Sprache der Täter gehalten; es ermöglicht dennoch wichtige Einblicke in das Leben und in das Denken von Georg Elser. Diese Publikationen leiteten eine Wende in der öffentlichen und wissenschaftlichen Einschätzung zu Georg Elser ein. Dennoch blieb Elser weiterhin jene öffentliche Anerkennung versagt, die seine Tat verdient. Ein Gelingen seiner Tat hätte sowohl die Ausweitung des im Herbst 1939 begonnenen Krieges als auch den Massenmord an den Juden Europas verhindern können. Insofern ist es logisch, wenn Joseph Peter Stern in Elser den »wahren Antagonisten« Hitlers und dessen »moralisches Gegenbild« sieht.

Diese Dokumentation wurde erstmals 1997 in Zusammenarbeit zwischen der Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin, dem Georg-Elser-Arbeitskreis in Heidenheim und der Gemeinde Königsbronn erstellt. Bürgerschaftliches Engagement mündete in eine Ausstellung, die zuerst in Berlin gezeigt wurde und seit Januar 1998 ihren Platz in der Georg Elser Gedenkstätte in Königsbronn hat. Teile der dieser Dokumentation wurden 2009 anlässlich des 70. Jahrestages des Attentates vom 8. November 1939 überarbeitet.

Wir danken all denen, die mitgewirkt haben. Wir widmen sie jenen Familienangehörigen Georg Elsers, die in die nationalsozialistische Verfolgung mit einbezogen wurden und darunter bis weit nach 1945 zu leiden hatten.

Peter Steinbach/Johannes Tuchel


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